On-Demand-Verkehre und die Abkehr vom privaten Pkw

On-Demand-Verkehre und die Abkehr vom privaten Pkw

Die Abschaffung des eigenen Autos als das Maß der Dinge?

Messung einzelner Mobilitätsangebote an der Abschaffung privater Pkw

Wie viele Personen haben seit Betriebsstart das eigene Auto abgeschafft? Eine Frage, die politische Entscheider häufig stellen, wenn sie die Wirksamkeit von neuen Mobilitätsangeboten wie CleverShuttle bewerten wollen. Eine Frage, die nicht weit genug geht, da sie nicht nach vorne schaut und die Bewertung eines neuen Mobilitätsangebots lediglich anhand des Status Quo und nicht anhand seines Potenzials vorsieht. Eine faire Bewertung des Beitrags von On-Demand-Verkehren zur Mobilitätswende ist mit der Beantwortung dieser Frage also nicht möglich.

Natürlich ist es berechtigt und sinnvoll, Anbieter neuer Mobilität an ihrem Beitrag und Nutzen für die Mobilitäts- und Verkehrswende zu messen – sollten doch alle Anbieter neuer Verkehrsformen sich zum Ziel gesetzt haben, Verkehr und insbesondere den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu reduzieren. Auch das Ziel von CleverShuttle ist es, ein Angebot zu schaffen, das eine echte Alternative zum eigenen Auto bietet und Anreiz gibt, den privaten Pkw stehen zu lassen. Gleichwohl bleibt es fraglich, ob ein einzelnes neues Mobilitätsangebot daran gemessen werden kann, ob sich Menschen privat dazu entscheiden, ihr Auto abzuschaffen. Schließlich ist ein privater Pkw mit hohen Anschaffungs- und Haltungskosten verbunden und bietet Flexibilität sowie Individualität, die nur schwer durch vereinzelte alternative Mobilitätsangebote ersetzt werden kann. Um dies zu erreichen, bedarf es einen attraktiven ÖPNV ergänzt durch flexible neue Mobilitätsangebote, sodass den Kund:innen jederzeit ein geeignetes Fortbewegungsmittel zur Verfügung steht.

Maßnahmen müssen zusammenspielen

Ein Blick auf die aktuellen Bemühungen in der Etablierung von Push- und Pull-Maßnahmen zum Erreichen der Mobilitätswende zeigt, dass die vielen einzelnen Maßnahmen und Mobilitätsangebote allein nicht ausreichen, um eine Verlagerung vom eigenen Auto auf den nicht motorisierten Individualverkehr und den ÖPNV zu erreichen. Pull-Maßnahmen, wie die Verbesserung des Mobilitätsangebots durch On-Demand-Verkehre sind wichtig, weil sie neue, attraktive Alternativen zum eigenen Auto schaffen. Entscheidend ist jedoch, dass sie zusammenspielen mit regulativen Push-Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einführung einer City-Maut und Parkraum-Reduzierung.

On Demand vs pkw Abb 1 Push und Pull
Abb. 1. Das Zusammenspiel von Push- und Pull-Maßnahmen

Adäquate Evaluation als Herzstück auf dem Weg zur Wirksamkeit von Maßnahmen

Ganzheitliche Konzepte zur Reduzierung des MIV fehlen in der Praxis. Für effektive Push-Maßnahmen, durch die der MIV eingeschränkt wird, braucht es neue gesetzliche Rahmen, die es bisher in Deutschland nur selten gibt oder sich erst in ihrer Erschaffungsphase befinden.

Als erstes Bundesland hat Berlin 2016 ein entsprechendes Mobilitätsgesetz (MobG) eingeführt - ein wichtiger Schritt mit Signalwirkung zum Erreichen der Mobilitätswende.

Festgelegtes Ziel im MobG ist, den MIV einzudämmen, indem die Fahrt im eigenen Auto weniger attraktiv wird. Dazu sieht es zum Beispiel Maßnahmen zur Reduzierung der Fläche für den fließenden Verkehr zugunsten nicht motorisierter Verkehrsteilnehmer:innen vor (§4 Abs. 3, 5, 6 MobG). Folglich liegt es nahe, das Gesetz an der Reduzierung des MIV in Berlin seit 2016 zu messen. Durch die vorgesehenen multiplen Push-Maßnahmen zur Förderung neuer Mobilitätsformen sowie zur Steigerung der Attraktivität und Sicherheit von Fuß- und Radwegen, sollten die Bürger:innen außerdem incentiviert werden, das eigene Auto ganz abzuschaffen.

Um allerdings zu erkennen, ob Gesetz und On-Demand-Verkehre tatsächlich den gewünschten Beitrag zur Mobilitätswende erzielen, müssen Anbieter:innen neuer Mobilitätsoptionen und politische Akteure auch in der Praxis ihre Lösungsansätze einer Evaluation anhand adäquater Kriterien unterziehen.

Definition verschiedener Service-Qualitätsstandards als zielführende Bewertungskriterien für On-Demand-Verkehre

Evaluierungsparameter, die On-Demand-Verkehre gerecht werden, sind beispielsweise das Einhalten von Qualitätsstandards ihres Service, das Erfüllen einer definierten Poolingquote, das Erreichen eines bestimmten Besetzungsgrads sowie die Förderung des Zuwachses an verkauften ÖPNV-Zeitkarten. Mit diesen Aspekten kann belegt werden, dass die Menschen neue öffentliche Verkehrsangebote so nutzen, wie sie angedacht sind und für diese Wegstrecken im Umkehrschluss nicht das eigene Auto nutzen. Das neue Personenbeförderungsgesetz legt hier erste wichtige Grundsteine. Die Politik sollte gesetzliche Maßnahmen, wie sie im MobG festgelegt sind, umsetzen und an weiteren Maßnahmen zur Restriktion des MIV arbeiten. Zum Beispiel könnte es sinnvoll sein, die bevorzugte Stellung des Autos anzugehen. Wäre es nicht zielführend, diesen politischen Grundsatz zu hinterfragen und §10 des Berliner Straßengesetzes und den §12 der StVO auf Bundesebene zu überdenken?

On Demand vs pkw Abb 2 Evaluationskriterien
Abb. 2: Evaluationskriterien für On-Demand-Verkehre

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CleverShuttle Gesa Gräf
Autor:in

Gesa Gräf

Public Affairs Managerin

Gesa ist seit einem Jahr bei CleverShuttle in den Bereichen Public Affairs und Kommunikation tätig. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Kommunikation und im Austausch mit politischen Stakeholdern rund um das Thema Mobilität – sowohl auf kommunaler als auch auf regionaler Ebene.

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