Barrierefreiheit im ÖPNV – mehr als ein Nischenthema

Barrierefreiheit im ÖPNV – mehr als ein Nischenthema

Der Zugang zu öffentlicher Mobilität ist ein Grundrecht, er sichert ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben. Der bestehende öffentliche Nahverkehr ist für viele Menschen jedoch defacto nicht alltagstauglich. Ob mobilitätseingeschränkt, fortgeschrittenen Alters oder in Begleitung von Kindern unterwegs – On-Demand-Ridepooling kann die Lücken zwischen traditionellem Linienverkehr und Individualverkehr in punkto Barrierefreiheit schließen. Dafür braucht es die richtigen Fahrzeuge und Softwarelösungen.

Das Thema Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr schafft es immer wieder einen Platz im öffentlichen Diskurs zu erobern. Zurecht, denn hierzulande leben 10 Mio. Menschen mit Behinderung. Deutschland hat 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, bleibt aber gerade in Bezug auf Mobilität und Artikel 20 des Vertrags hinter den Erwartungen zurück. Dieser hat zum Ziel die persönliche Mobilität von Menschen mit Behinderungen mit größtmöglicher Unabhängigkeit im Sinne von Selbstbestimmung sicherzustellen. Die Vertragsstaaten sind entsprechend verpflichtet, wirksame Maßnahmen zu ergreifen.

Oftmals fällt der Blick auf die Verkehrsmittel selbst, doch in der Praxis gilt es, die gesamte Wegstrecke in die Planungen miteinzubeziehen, also auch die Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln. Die Hürden sind vielerorts kaum überwindbar und reichen von unzugänglichen Fahrzeugen, über defekte Aufzüge und fehlende Informationen bis hin zu schlichtweg unerreichbaren Stationen.

Auch für Familien mit Kindern und Senioren ist es herausfordernd, ihren Alltag mit Bus und Bahn zu meistern. Laut Bundesverkehrsministerium ist jeder fünfte Bahnhof in Deutschland derzeit für Kinderwagen, Senior:innen und Rollstuhlfahrer:innen nicht oder nur schwer zugänglich.

Wie funktioniert On-Demand-Ridepooling für mobilitätseingeschränkte Personen?

Mobilitätseingeschränkte Personen haben beispielsweise die Möglichkeit, eine Rollstuhlbeförderung im Buchungsprozess auszuwählen. Viele unserer Shuttles sind bereits barrierefrei umgebaut und können Personen mit Rollstühlen bis zu einem Gewicht von 350 kg befördern. Mobilitätseingeschränkten Fahrgäste gelangen mit Hilfe unseres geschulten Fahrpersonals über eine Rampe in die Fahrzeuge, die Rollstühle werden dann gesichert. Die Praxis zeigt, dass dies schnell und unkompliziert ist. Die Planungen, wie das Angebot auch für schwerere Rollstühle und im automatisierten Verkehr erweitert werden kann, haben bereits begonnen.

Die Einsatzplanung von Fahrzeugen erfolgt bei CleverShuttle über einen intelligenten Algorithmus. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, kann die geeignete Anzahl an barrierefreien Shuttles optimiert werden. Insgesamt bieten datenbasierte Verkehre viele Möglichkeiten, das Angebot für Menschen mit Behinderung zukünftig zu verbessern: So können viele der On-Demand-Ridepooling-Apps schon heute per Voiceover bedient und genutzt werden. Unser Partner ioki testet dies bereits entwicklungsbegleitend mit blinden Nutzer:innen und optimiert die Bedienbarkeit.

Grafik Bundesinstitut Bevoelkerungsdichte 1

Der Anteil mobilitätseingeschränkter Personen wächst

Die Anzahl der mobilitätseingeschränkten Personen wächst: 7 % der deutschen Bevölkerung sind durch gesundheitliche Beeinträchtigungen dauerhaft eingeschränkt. Ab einem Alter von 50 Jahren nehmen gesundheitsbedingte Mobilitätseinschränkungen stark zu. Schon heute sind 18,3 Mio. Deutsche über 65 Jahre alt. Ihr Anteil an der Bevölkerung wird sich in den nächsten Jahren drastisch erhöhen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels besteht daher dringender Handlungsbedarf und es müssen Alternativen zum eigenen Auto geschaffen werden.

Vielfach unterschätzt: Die aktuelle Generation Senioren ist digitaler als gedacht. Schon heute sind 70% der 70-74-Jährigen online und viele von ihnen befähigt, Buchungen per Smartphone durchzuführen. Dennoch bietet die Möglichkeit telefonisch zu buchen, einen niedrigschwelligen Zugang zu On-Demand-Ridepooling für weniger digitalaffine Personen.

Um das bedarfsgerechte Angebot noch besser zugänglich zu machen, gilt es Informationen zielgruppengerecht aufzubereiten und zugänglich zu machen. Auch die Integration in verschiedene Buchungssysteme spielt dabei eine Rolle und bietet Verbesserungspotenzial.

Fortbewegungsmittel für Familien

Für Familien ist das Auto noch immer das Verkehrsmittel Nummer eins: Fast alle Familien in Deutschland besitzen mindestens ein Auto. Damit unterscheiden sie sich deutlich von Haushalten ohne Kinder: Dort sind 16 % weniger Pkws zu finden. Mit steigendem Alter der Kinder wächst zudem die Wahrscheinlichkeit, mehrere Autos zu besitzen. Um den öffentlichen Nahverkehr für die breite Gesellschaft attraktiver zu machen, braucht es Mobilitätsangebote, die zum Alltag der 11,6 Mio. Familien in Deutschland passen. Dazu gehört auch, dass neue Mobilitätsangebote auf die Bedürfnisse von Familien reagieren. Ob Carsharing, Ridehailing oder Taxi, viele Angebote sind derzeit nicht darauf ausgelegt, Kinderwägen mitzunehmen. Kindersitze sind nicht für alle Altersgruppen und im ausreichenden Maß verfügbar. Mit On-Demand-Ridepooling steht den Familien ein flexibles Mobilitätsangebot zur Verfügung, um die langen Wegketten von Kita, Schule, Kinderarzt und Freizeitaktivitäten abzubilden.

Mehr clevere Mobility-News direkt ins Postfach?

Beitrag teilen